The Lamb Lies Down On Broadway
Eingetragen von robman. | Di, 04/01/2005 - 13:21
Musique
GENESIS
The Lamb Lies Down On Broadway
- deutsche Übersetzung der Handlung -
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Eines der bedeutensten Werke der Rockgeschichte ist zweifellos
das 1974 erschienene Konzeptalbum "The Lamb Lies Down On Broadway"
von Genesis. Anbei die im Cover abgedruckte Rahmenhandlung. Die
surreale Story gibt die Handlung der Songtexte wieder, die sich
allerdings auf Grund der vielen idiomatischen Redewendungen und
Wortspielereien schlecht übersetzen lassen.
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Die Geschichte
Laß die Finger aus meinem Auge. Beim schreiben werfe ich
gerne einen Blick auf die Schmetterlinge unter Glas, die sich rings
herum an den Wänden befinden. Die Menschen in meinen Erinnerungen
sind an Geschehnisse gekettet, die ich mir nicht mehr recht ins
Gedächtniss zurückrufen kann; aber ich werde einen herrauszerren,
um ihn zerbrechen, sich auflösen und eine andere Art von Leben
nähren zu sehen.
Der, um den es geht, ist vollkommen bio-degradierbares Material
und ist als "Rael" kategorisiert. Rael haßt mich,
ich mag Rael - ja, sogar Sträuße haben Gefühle.
Aber unsere Beziehung ist etwas, mit dem wir beide zu leben haben.
Rael mag gern spaßig sein, ich habe gern einen guten Reim,
aber ihr werdet mich nicht mehr direkt sehen - er haßt es,
mich um ihn zu haben. Also, wenn die Geschichte nicht auf eigenen
Füßen steht, kann ich zeigen worum es geht - ihr versteht?
(Der Reim ist geplant, seht ihr, Dummchen.)
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Der zitternde Zeiger springt auf Rot. New York kriecht aus dem
Bett. DIe mißmutigen Gäste werden gebeten, die Wärme
des 24-Stunden-Kinos zu verlassen. SIe sind über Filmen eingeschlafen,
von denen andere nur geträumt hätten. DIe Statisten stören
den schlafenden Broadway auf. GEHEN links, NICHT GEHEN rechts -
auf dem Broadway erscheinen die möglichen Richtungen nicht
so glänzend. Autogeister bestimmen das Tempo für die frühen
mobilen Wettrennen des Taxifahrers.

Genug davon - unser Held kommt die U-Bahn-Rolltreppe herauf ans
Tageslicht. Unter seiner Lederjacke hält er ein Spray-Gewehr,
das gerade die Nachricht R-A-E-L in Großbuchstaben auf der
Tunnelwand hinterlassen hat. Für euch mag das keine Bedeutung
haben, aber für Rael ist es ein Schritt weiter auf dem Weg,
der dahin führt, "sich einen Namen zu machen". Wenn
man noch nicht einmal ein reinrassiger Puertorikaner ist, ist das
Leben hart, und die Harten überleben.
 
Mit gelegentlichen Blicken über die nasse Straße prüft
er die Bewegung des Dampfes (aus den Lüftungsschächten
der New Yorker U-Bahnen), um mögliche Hindernisse rechtzeitig
zu erkennen. Er kann keine entdecken und strolcht den Fußweg
entlang, an einem Drugstore vorbei, dessen eisernes Gitter gerade
entfernt wird, um das Zahnpastalächeln der Reklame zu enthüllen,
vorbei an dem Patrouillepolizisten Frank Leonowich (48, verheiratet,
zwei Kinder), der im Eingang des Perückengeschäftes steht.
Polizist Leonowich sieht Rael mit so ziemlich dem gleichen Blick
an, mit dem ihn andere Polizisten anshene, und Rael versteckt nur
so eben, daß er etwas versteckt. Inzwischen legt sich in dem
dampf ein Lamm nieder. DIeses Lamm hat absolut nichts mit Rael zu
tun, oder mit irgendeinem anderen Lamm - es legt sich einfach auf
dem Broadway nieder.
 
Der Himmel ist bedeckt, und als Rael sich umschaut, sieht er eine
dunkle Wolke, die sich wie ein Ballon auf den Times Square heruntersenkt.
Die Wolke läßt sich nieder und wird zu einer ebenen Fläche
mit festen Rändern, die sich verhärtet und sich weit die
47. Straße entlang ausdehnt, nach Osten und Westen und bis
an den dunklen Himmel reicht. Wioe sich die Wand zum Himmel spannt,
wird sie zur Leinwand, auf der sich abspielt, was eine Sekunde zuvor,
auf der anderen Seite dreidimensional existiert hat. Das Bild flackert
und zerspringt dann wie gemahlter Lehm, und die Wand bewegt sich
ruhig vorwärts, nimmt alles auf ihrem Weg in sich auf. Die
nichtsahnenden New Yorker sind anscheinden blind für das, was
da vor sich geht.
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Rael fängt in Richtung Columbus Circus an zu laufen. Jedesmal,
wenn er es wagt, sich umzusehen, hat die Wolke sich einen Block
weiter bewegt. Sobald er glaubt, seinen ABstand von der Wand einzuhalten,
wird der Wind rauh und kalt und läßt ihn langsamer werden.
Der Wind wird stärker, er trocknet die nasse Straße und
fegt den Staub von ihrer Oberfläche, bläst ihn in Raels
Gesicht. Mehr und mehr Schmutz wird aufgewirbelt, beginnt sich auf
Raels Haut und Kleidung festzusetzen und wird zu einer festen Schicht,
die ihn langsam zu einer schrecklichen Bewegungslosigkeit zwingt.
Eine kauernde Tontaube.
  
Der Moment des Einschlags donnert durch die Stille, und in tosendem
Lärm dehnt sich die letzte Sekunde in einer Welt voller Echo,
als ob der Zement und Mörtel des Broadway selbst ihre Erinnerungen
noch einmal durchlebten. Die letzte große Märzparade.
Der Journalist hängt in seinen Kleidern , matt wie ein Jaulen,
als Publikum und Ereignis zu einer Einheit werden. Bing Crosby schnurrt:
"You don't have to feel pain to sing the blues, you don't have
to holla - you don't feel a thing in your dollar collar" ("Du
mußt keinen Schmerz um den Blues zu singen, du mußt
nicht hallo sagen - du fühlst doch nichts in deinem Dollarkragen").
Martin Luther King ruft "Everbody sing!" und läutet
die große alte Freiheitsglocke. Leary, seiner Zelle überdrüssig,
geht auf den Wolken, predigt die Hölle. J.F.K. gibt das ok,
uns zu erschießen, nippt an Orange-Julius und an Lemon-Brutus.
Barbruestiger Cowboy doppelt den dreifachen Champion. Wir brauchen
kein Medicare und keine 35 cents allround Fahrpreise mehr, wenn
Ginger Rodgers und Fred Astaire tanzen durch das Wolkenmeer. Von
stereotypen Broadway-Melodien wechselt die Kapelle zu "Stars
and Stripes" und bringt eine Träne in die Augen des heilichen
Schnapsbrenners, der seinen Geist von der illegalen Distille tröpfeln
lassen hat. Der Pfandleiher leert seine Kasse zum Schluß und
drückt den Glücksbringer Dollar an seine Brust. Dann -
totale Finsternis.
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In einer Art von schwerem Dämmerlicht kommt Rael wieder zu
sich. Er ist warm in etwas wie ein Kokon gewickelt. Der einzige
vernehmbare Laut ist das Geräusch tropfenden Wassers, von dem
her ein blasses, flackerndes Licht zu kommen scheint. Er erklärt
sich, in einer Art Höhle zu sein, oder in einer verwunschenen
Grabstätte, oder in einer Katakombe, oder in einer Eierschale,
wartend, sich vom Knochen des Leibes zu lösen. Was immer es
auch sein mag, er fühlt sich ungeheuer heiter, sehr sauber
und auch zufrieden, wie eine gutversorgte Puppe mit heißem
Wasser im Bauch - weshalb sich also Sorgen machen, was es bedeutet?
Er überläßt sich dem Unbekannten und gleitet in
den Schlaf.
  
Er wacht in kaltem Schweiß gebadet auf, mit dem Bedürfnis,sichzu
erbrechen. Von dem Kokon ist nichts mehr zu sehen under kann nun
mehr von der Höhle erkennen. Größere Mengen des
leuchtenden Wassers tropfen von der Decke und Stalagmiten und Stalagtitenfoemren
und zersetzen sich mit ungeheurer Geschwindigkeit rings um ihn herum.
Als seine Frucht und der Schock ihm ins Bewußtsein dringen,
überzeugt er sich selbst, daß Selbstkontrolle ihm etwas
Sicherheit schaffen kann, aber er vergißt diese Idee, als
er sieht, daß die Stalagmiten und Stalagtiten feste Positionen
einnehmen und einen Käfig formen, dessen Gitterstäbe sich
auf ihn zubewegen. Eine Sekunde lang blitzt eine Licht auf - er
sieht ein unendliches Netz von vergitterten Zellen, die alle durch
ein seilartiges Material miteinander verbunden sind. Die steinernen
Gitterstäbe beginnen, Raels Körper zu erdrücken,
da sieht er draußen seinen Bruder John. Der sieht herein.
Johns Gesicht ist bewegungslos, trotz der Hilferufe, aber auf seinem
Gesicht formt sich eine blutige Träne, die seine Wange hinuntertropft.
Dann geht er ruhig davon und überläßt Rael den Schmerzen,
die seinen Körper zu durchzucken beginnen. Aber in dem Moment,
in dem John außer Blickweite grät, löst sich der
Käfig auf und RAEL bleibt zurück, sich drehend wie eine
Spindel.
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Als all dies Drehen um sich selbst aufgehört hat, setzt er
sich auf einen auf Hochglanz polierten Fußboden, während
sich sein Schwindelgefühl langsam gibt. Er ist in einer leeren,
modernen Eingangshalle, und die Traumpuppenverkäuferin sitzt
im Empfang. Ohne Aufforderung beginnt sie ihre Verkaufsrede: "Dies
ist die große Parade der leblosen Verpackung, was sie sehen
ist alles zur Wartung hier, ausgenommen einer kleine Menge eines
neuen Produkts im zweiten Stock. Alles, was wir auf Lager haben,
ist da, um die gegenwärtigen Verpflichtungen der Firma zu erfüllen.
Andere Stapel werden an die regionalen Vertreter verteilt, und es
gibt eine Menge von Gelegenheiten für Großanleger. Sie
reichen von den teuren Sonderbehandelten bis zu den erschwinglichen
Schlechternährten. Wir haben hier die Erfahrung gemacht, daß
das Äußere jedes Einzelnen zu seinem Wesen wird. Mit
Ausnahme der Niedrigpreis-Schlachternährten ist jeder mit einer
Garantie für eine glückliche Geburt und problemfreie Kindheit
ausgestattet. Es gibt jedoch nur eine kleine Mange Auswahlpotential
- in gewisser Relation zum Durchschnittsdifferential. Sehen Sie,
an der Decke sind die Aktionsgrenzen einer jeden Verpackungsgruppe
vorgeschrieben, aber einzelne Individuen mögen sich wohl von
der vorbestimmten Richtung fortbewegen, wenn Ihre Umwege durch andere
aufgewogen werden." Als er die Front der Verpackungen abschreitet,
erscheinen Rael einige der Gesichter bekannt vorzukommen. Schließlich
trifft er auf einige Mitglieder seiner alten Bande, und fängt
nun an sich um seine eigene Sicherheit Sorgen zu machen. Er läuft
durch die Fabrikhalle und erkennt plötzlich seinen Bruder John,
auf dessen Stirn die Nummer 9 gestempelt ist. Niemand scheint ihn
zu verfolgen, und mit der Erinnerung an die bekannten Gesichter
macht er sich an eine Rekonstruktion seines früheren Lebens,
dort oben.
 
Zu viel Zeit war etwas, mit dem er überhaupt nichts anfangen
konnte, deshalb durchquerte er sie gewöhnlich mit ziemlicher
Geschwindigkeit. Er war leiber tot als im Kopf aus dem Lot. Seine
Mamma und sein Pappa hatten auf seinem Rücken geritten, deshalb
riß er schnell aus, um zum Pack zu gehören. Doch erst
nach einem kurzen Aufenthalt in der Pontiac-Besserungsanstalt konnte
er sich in der Bande Respekt verschaffen. Jetzt, auf dem Heimweg
nach einem Raubzug, streichelte er sein schlafendes Stachelschwein.
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In jender Nacht malte er sich aus, wie sein haariges Herz herausgenommen
und zur Begleitung sehr romantischer Musik von einem enormen Edelstahl-Rasierer
glattgeschoren wurde. Das pcohende, kirschrote Organ wurde wieder
an seinen angestammten Platz gesetzt und begann, schneller zu schlagen,
als es unseren Helden, die Zeit auszählend durch seine erste
romantische Begegnung führte.
 
Von seinen verdrehten Erinnerungen kehrt er zu dem Durchgang zurück,
in dem er zuvor steckengeblieben war. Diesmal entdeckt er einen
langen, mit Teppichen ausgelegten Korridor. Die Wände sind
ockerrot bemalt und mit seltsamen Zeichen bedeckt: manche sehen
wie ein Ochsenauge aus, andere wie Vögel und Schiffe. Weiter
hinten im Gang kann er einige Leute entdecken: alle sind auf den
Knien. Mit gedrückten Seufzern und Gemurmel kämpfen sie,
um in ihrer langsamen Bewegungsart vorwärtszukommen, hin zu
einer Holztür am Ende des Korridors. Rael hatte zuvor nur die
unbeweglichen Gestalten der Großen Parade der Leblosen Verpackungen
gesehen, deshalb läuft er zu ihnen, um mit ihnen zu sprechen.
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"Was ist hier los", ruft er einem murmelnden Mönch
zu, der sich ein Gähnen verkneift und antwortet: "Es ist
noch lang hin bis zum Sonnenaufgang." Ein sphynxhafter Krieger
ruft seinen Namen und sagt: "Frag nicht ihn, der Mönch
ist betrunken. Wir alle versuchen, die obersten Stufen zu erreichen,
denn dort wartet ein Ausgang auf uns." Unser Held fragt nicht,
warum er sich frei bewegen kann und durchschreitet kühn die
Tür. Hinter einem mit Speisen beladenen Tisch findet er eine
Wendeltreppe, die in die Decke hineinführt.
 
Am oberen Ende der Treppe entdeckt er eine Kammr. Sie hat fast
die Form einer Halbkugel mit einer vielzahl von Türen ringsherum.
In der Kammer ist eine große Menschenmenge, zusammengedrängt
in einzelne Gruppen. Durch die Zurufe begreift Rael, daß es
32 Türen gibt, daß aber nur eine hinausführt. Die
stimmen werden immer lauter, bis Rael "Seid still!" schreit.
EInen Momant lang ist Stille, und dann findet sich Rael im Mittelpunkt
wieder: sie richten ihre ratschläge und Aufträge an ihren
neuentdeckten Rekruten. Aus Abfall gebrütet, mit Asche gefüttert,
muß der Puzzle-Meister schnellere Arbeit leisten. Rael sieht
eine ruhige Ecke und läuft hinüber. Er steht nun neben
einer Frau in mittlerem Alter, mit blasser Hautfarbe, die leise
mit sich selbst spricht. Er findet heraus, daß sie blind und
auf der Suche nach einem Führer ist. "Wozu soll ein Führer
gut sein, wenn man keinen Weg hinaus kennt?" fragt Rael. "Ich
kennen einen Weg" ist die Antwort, "wenn du mich durch
den Lärm hindurchführst, werde ich ihn dir zeigen. Ich
bin ein Höhlenwesen und folge der Richtung in der die Winde
wehen. "
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Er führt sie quer durch den Raum. Sie verlassen die Menge,
die ihren Fortgang als zum Scheitern bestimmt abtut. Nachdem sie
durch die Tür entkommen sind, wird Rael von der Frau durch
den Tunnel geführt. Das Licht der Kammer wird schnell schwächer,
und trotz ihres zuversichtlichen Schrittes stolpert Rael oft in
der Dunkelheit.
Nach einer langen Wanderung kommen sie an einem Ort an, der Rael
ein große, runde Höhle zu sein scheint, und jetzt spricht
sie zum zweitenmal, bittet ihn, sich zu setzen. Der Sitz fühlt
sich wie ein klater Steinthron an.
  
"Rael, setz dich hierher. Sie werden bald zu dir kommen. Hab
keine Angst." Und ohne jede andere Erklärung geht sie
fort. Er muß seiner Furcht wieder ins Angesicht blicken. Zu
seiner Linken erhellt sich ein Tunnel: er beginnt zu zittern. Während
es immer heller wird, hört er ein schwirrendes Geräusch.
Das Licht wird so hell, daß seine Augen zu schmerzen beginnen,
es reflektiert weiß auf den Wänden, bis sich seine Sehkraft
in einer Art Schneeblindheit verliert. Er gerät in Panik, fühlt
nach einem Stein und zielt auf den hellsten Punkt. Der Klang zerbrechenden
Glases wirft sein Echo durch die Höhle.
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Als seine Sehkraft wieder hergestellt ist, erkennt er zwei goldene
Kugeln von ungefähr einem Fuß durchmesser, die durch
den Tunnel davonschweben. In dem Augenblick, als er sie endgültig
außer Sichtweite geraten, bricht mit lautem Krach ein Riß
durch die Decke - alles um ihn herum stürtzt ein...
 
"Jetzt ist es soweit", denkt er, als es ihm nicht gelingt,
die Felsbrocken fortzubewegen. "Ich wäre lieber wie Ballast
in den Raum geworfen worden., um in tausend Splitter zu zerbrechen,
oder mit Helium gefüllt über einem Mausoleum geschwebt
Dies ist nicht der richtige Weg, meine "last subterranean homesick
dues" (Wortspiel mit Bob Dylans Last Subterranean Homesick
Blues, deshalb so ziemlich unübersetzbar) zu zahlen. Zumindest
bin ich nicht in den Händen irgendeines perversen Einbalsamierers
gelandet, der an seiner eigenen Interpretation meines Aussehens
arbeitet, indem er Watte in meine Backen stopft.
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Erschöpft nach all diesen Fantasien, bekommt unser Held die
einmalige Chance im Leben, seinem Held zu begegnen: dem Tod. Der
Tod trägt eine leichte Verkleidung, er hat die Ausstattung
selbst kreiert. Er nennt sie "der übernatürliche
Aneasthesist". Der Tod trifft gern Leute und reist gern. Der
Tod nähert sich Rael mit seinem Spezialkanister, läßt
ein Wölkchen herauspuffen und scheint, zufrieden mit sich,
durch die Wand zu entschwinden.
  
Rael berührt sein Gesicht, um sich zu versichern, daß
er noch am Leben ist.Er schreibt den Tod als Illusion ab, bemerkt
dann einen schweren Moschusgeruch, der in der Luft hängt. Er
bewegt sich auf die Ecke zu, wo der Geruch am stärksten ist.
Als er einen Riß in der Wand entdeckt, durch den das Parfüm
eindringt, versucht er, die Steine fortzubewegen und schafft sich
sich schließlich eine Öffnung, die groß genug ist,
ihn hindruchzulassen. Auf der anderern Seite ist der Duft noch stärker.
Er macht sich mit neuer Energie auf die Suche nach seiner Ursache.
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Schließlich erreicht er einen Teich mit reichverzierten Rändern
und rosafarbenem Wasser. Die Mauern, die ihn eingrenzen, sind mit
dunkelrotem Samt beschlagen, an dem Geißblatt hochwächst.
Durch den Dunst, der über dem Wasser schwebt, sieht er kleine
Wellen, die aufeinander folgen. Drei schlangenartige Kreaturen schwimmen
auf Rael zu. Jedes der Reptilienwesen hat einen winzigen Kopf und
die Brüste einer wunderschönen Frau. An die Stelle des
Schreckens tritt die Betörung, als ihre sanften grünen
Augen ihn willkommen heißen. Die Lamien laden ihn ein, daß
süße Wasser zu kosten: schnell steigt er in den Teich.
Sobald er von der Flüssigkeit kostet, tropft ein blßblaues
Leuchten von seiner Haut. Die Lamien lecken die Flüssigkeit
auf, sehr sanft am Anfang, und mit jeder Berührung spürt
er das Bedürfniss, mehr und mehr zu geben. Sie massieren sein
Fleisch, bis seine Knochen zu schmelzen scheinen, und an einem Punkt,
wo er fühlt, daß es nicht weitergehen kann, nagen sie
an seinem Körper. Sie nehmen seine ersten Blutstropfen in sich
auf, da werden ihre Augen schwarz und ihre Körper zittern.
Von hilfloser Leidenschaft überkommen, sieht er, wie seine
Geliebten sterben. In einem verzeifelten Versuch, was von ihnen
übrig ist, in sein Leben zu bringen, nimmt und ißt er
ihre Körper und müht sich, das Nest seiner Geliebten zu
verlassen.

Er geht durch diesselbe Tür hinaus, durch die er hereingekommen
war, und findet auf der anderen Seite eine Art von Verrückten-Ghetto.
Als sie ihn entdecken, bricht der ganze Strßenzug von verkümmerten
Gestalten in Gelächter aus. Einer der Kolonie nähert sich,
grotesk in jedem seiner Merkmale, eine Mischung aus häßlichen
Haufen und Stümpfen. Sein Lippen rutschen über sein Kinn,
als er ihm Willkommen zulächelt und seinen schlüpfigen
Händedruck anbietet. Rael wird ein wenig desillusioniert, denn
der Glibbermann offenbart, daß die ganze Kolonie, einer nach
dem anderen, die gleiche romatische Tragödie mit denselben
drei Lamien erlebt hat, die sich jedesmal wieder regenerieren, und
daß Rael nun Aussehen und schattenhaftes Dasein mit ihnen
teilt.
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Unter den verstümmelten Gesichtern der Glibbermänner
erkennt Rael, was von seinem Bruder John noch übrig ist. Sie
umarmen einander. John erklärt ihm verbittert, daß das
ganze Leben der Glibbermänner darauf ausgerichtet ist, den
nimmermüden Hunger der Sinne zu stiollen, den die Lamien ihnen
überlassen haben. Es gibt nur einen Fluchtweg: den entsetzlichen
Gang zum berüchtigten Dr. Dyper, der die Quelle des Problems
entfernen wird - um es weniger höflich auszudrücken -
kastrieren.
  
Sie diskutieren die mißverständlich "Flucht"
genannte Möglichkeit lange und entschließen sich endlich,
dem Doktor einen Besuch abzustatten. Sie überleben den qualvollen
Eingriff. Die anstößigen Waffen werden ihnen in sterilen
gelben Plastikröhren präsentiert, zusammen mit goldenen
Ketten. "Die Leute tragen sie gewöhnlich um den Hals",
sagte der Doktor, als er sie ihnen überreichte. "Die Operation
schließt die Benutzung der Gegebenheit für kurze Zeiträume
nicht aus, aber sie müssen uns, wenn sie davon Gebrauch machen
wollen, natürlich beträchtlich im Voraus informieren".
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Als die Brüder ihre mißliche Lage besprechen, fliegt
ein großer schwarzer Rabe in die Höhle, stößt
herab, reißt Raels Tube aus seinen Händen und trägt
sie in seinem Schnabel hoch in die Luft. Rael bittet John, mit ihm
zu gehen. Er antwortet: "Ich werde keinem schwarzen Raben nachjagen.
Hier unten mußt du die Zeichen lesen und ihnen gehorchen.
Wenn der Rabe fliegt, gibt es ein Unglück." So läßt
John zum zweitenmal seinen Bruder im Stich.
 
Der Vogel gleitet vor Rael einen engen Tunnel entlang, er scheint
ihm dei Möglichkeit geben zu wollen, den Abstand klein zu halten.
Doch als Rael glaubt, den Vogel fast packen zu können, erweitert
sich der Tunnel und endet als riesiger unterirdischer Wasserfall.
Ganz zufällig läßt der Rabe seine kostbare Last
in das tobende Wasser am Fuße des Wasserfalls stürzen.
Es ist genug, um einen armen Jungen verrückt werden zu lassen.
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Dann sieht er die Gefahren des steilen Kliffs - unser mutiger Held
steht da, machtlos, und starrt hinab. Er folgt einem schmalen Pfad,
der am Rand entlangführt, und sieht die Röhre, wie sie
durch das Wasser hüpft, von einer starken Strömung getragen.
Aber als er einen Biegung folgt, sieht Rael eine Fensterluke über
sich, scheinbar in die Uferböschung gebaut. Durch die Luke
kann er das grüne, grüne Gras seiner Heimat sehen - na,
vielleicht nicht ganz - er sieht den Broadway und beginnt zu laufen,
mit weit geöffneten Armen auf den Ausgang zu. Genau an diesem
Punkt hören seine Ohren plötzlich eine Stimme, die um
Hilfe ruft. Jemand kämpft in den Stromschnellen unter ihm um
sein Leben. Es ist John. Er hält einen AUgenblick inne, denkt
dran, wie ihn sein Bruder im Stich gelassen hatte. Die Fensterumrisse
beginnen jetzt, zu verschwinden - es wird Zeit zur Tat überzugehen.
 
Er stürzt zum Kliff und rutscht die Felsen hinab. Es dauert
lange, bis er das Wasser erreicht, weil er versucht, gleichzeitig
mit der Strömung Schritt zu halten. Als er sich dem Rand des
Wasser nähert, sieht er, daß John schwächer wird.
Er taucht in das kalte Wasser. Zuerst wird er auf die Felsen geworfen,
danach von einer schnellen Strömung unter die Wasseroberfläche
gezogen. Sie trägt ihn direkt an John vorbei, stromabwärts.
Es gelingt Rael einen Fels zu packen, sich an die Oberfläche
zu ziehen und Atem zu holen. Sobald John vorbeigetragen wird, wirft
sich Rael wieder in den Strom. und bekommt seinen Arm zu fassen.
Er schlägt John bewußtlos. Johns Körper fest an
seinengepreßt, reitet er die Stromschnellen hinab in stilleres
Wasser, von dem aus er in Sicherheit schwimmen kann.
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Nachdem er den matten Körper seines Bruders an Land gezogen
hat, legt er ihn Flach auf den Rücken und sieht hoffnungsvoll
in seine Augen, versucht ein Lebenszeichen zu entdecken. Er schnellt
voller Entsetzen zurück. Was ihn da mit weit offenen Augen
anstarrt, ist nicht Johns Gesicht - sondern sein eigenes. Rael kann
sich nicht von den Augen abwenden; das Bild seiner selbst zieht
ihn wie ein Magnet an. Mit schneller Bewegung gleitet sein Bewußtsein
von einem Gesicht zum anderen, dann wieder zurück, bis seine
Präsenz weder im einen noch im anderen mehr fest gebunden ist.
In diesem flüssigen Zustand beobachtet er, wie beide Körper
zu gelben Umfissen werden und die Umgebung in einem Purpudunst zerschmilzt.
Mit einem Energiestrom durch beide Rückgrate zerschmelzen auch
Ihre Körper schließlich im Dunst.
  
Dies alles spielt sich ohne einen einzigen Sonnenuntergang ab,
ohne das Läuten einer einzigen Glocke und ohne daß eine
einzige Blüte vom Himmel fällt. Und dennoch füllt
ES alles mit seiner geheimnisvollen, berauschenden Gegenwart.
ES ist jetzt an Euch.
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|
Übersetzt von Petra Gehrmann
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